Die Männertracht im Schweinfurter Gau

Teil 2 der Trachtenserie

Die sog. „Schweinfurter Gautracht“ oder „Werntaltracht“ erstreckt sich über ein Gebiet von Münnerstadt über Gemünden, Karlstadt, Würzburg, Gerolzhofen bis Schweinfurt. Wir sprechen hier von verschiedenen Trachtenepochen. Die sog. „alte Tracht“ stammt aus der Zeit zwischen 1800 und 1880, bis zur „neuen Frauen-Tracht um 1920“ gab es eine Übergangsform. Auch die 1920-er Form erfuhr eine Abwandlung und wurde zuletzt noch bis ca. 2000 von einigen wenigen alten Frauen getragen. Die Männertrachten jedoch haben diese neuen Entwicklungsstufen nicht erlebt. So sprechen wir hier bei der Männertracht von der Zeit um 1800 bis 1880.

Wie auch bei den Frauentrachten gab es bei den Männertrachten verschiedene Abstufungen zu den jeweiligen Anlässen. Ob man den Begriff „Baurische“ (Frauen die auch im Alltag ausschließlich Tracht getragen haben) auch für Männer benutzt hat, ist nicht bekannt. Jedenfalls muss betont sein, in dieser Phase der Tracht sprechen wir von der sog. „lebendigen Tracht“. Die Menschen haben sich also ausschließlich in Tracht gekleidet. Es war keine Uniform und kein Kostüm für besondere Anlässe, sondern die ganz normale übliche Kleidung für die Menschen in unserer Region. Dies trifft vornehmlich auf Bauern und Handwerker der Dörfer zu.

Einflüsse auf die Männertrachten hatten militärische Kleidung und auch höfische Mode. So ist der für unsere Region so typische Hut, der Dreispitz, auch in zahlreichen europäischen historischen Uniformen üblich gewesen. Prachtvoll ausgeputzt wurden die Hüte aber auch von Kaisern und Königen getragen. In unserer Bauerntracht waren die Dreispitze meist mit einem schwarzen Samt band eingefasst und von einer Kordel zusammengehalten. Würde man diese lösen und die drei Seiten herunterklappen, ergäbe sich ein runder, breitkrempiger Hut. Ich denke aber nicht, dass das üblicher Weise oft gemacht wurde, denn auf dem Hutrand waren noch Applikationen aus Goldborten angebracht. Und den Gupf verläuft ein Hutband, dessen Ende mit 2 großen Quasten aus einem der hinteren Hutecken hängt.

Die typische Männertracht besteht aus einer gelben Kniebundhose, einer roten Wollweste und einer blauen Joppe. Die Hosen waren meistens aus hell gegerbtem Hirschleder und reichten bis zu den Waden. Darüber wurden die baumwollenen weißen aber auch blau-weiß gemusterten Kniestrümpfe gezogen, mit einem kleinen Riemen oder Strumpfband gehalten. Heute sind statt der Lederhosen Hosen aus Baumwolle üblich, sogenannte „Velveton-Hosen“. Dieser Stoff ist an der Oberfläche Leder sehr ähnlich, atmungsaktiv, bequem und vor allem waschbar. Wir müssen uns bei allen Trachtenteilen immer vor Augen halten, dass nur die weiße Wäsche (Strümpfe und Hemden und bei den Frauentrachten noch die Unterröcke) waschbar waren. Alle anderen Kleidungsstücke sind zu aufwändig verziert, so dass sie nicht gewaschen werden konnten. Reinigungen gab es damals noch nicht. Daher sind die Festtrachten nach dem Kirchgang ausgezogen, gelüftet und wieder verräumt worden. Die Arbeitstrachten waren meist aber aus waschbaren Baumwoll- oder Leinenstoffen gefertigt und konnten auch gewaschen werden.

Wer jetzt glaubt, dass mit dem typischen Bild (rote Weste, blaue Jacke, gelbe Kniebundhose, Dreispitz) die Männertracht im Schweinfurter Gau umfassen beschrieben ist, irrt gewaltig. Neben den roten Wollwesten, hatten reiche Bauern noch zahlreiche andere Farben und Stoffqualitäten. Einfarbige Seidendamastwesten mit einfarbig eingewebten Blumenmustern oder auch bunt gemusterte Westen sowie Samtwesten waren durchaus üblich. Es gab einreihig und zweireihig geknöpfte Westen, die oft mit silbernen und goldenen Borten versehen waren. Den großen Reichtum drückten die silbernen Kugelknöpfe aus. An mancher Weste findet man davon zwischen 10 und 20 Knöpfe. Die roten Wollwesten wurden oft auch noch bunt bestickt. Bei den Westen war der Rückenstoff in der Regel aus einem hellen manchmal gestreiften Baumwoll-Nesselstoff gefertigt und nur das Vorderteil aus dem edlen Material gemacht.

Über der Weste wurde die blaue Tuchjacke, die Joppe, getragen. Sie war als Zweireiher mit silbernen Knöpfen besetzt. An hohen Festtagen wurde statt der Joppe der lange Mutzen getragen. Er war ebenfalls aus blauem Tuch gefertigt und hätte als 2-Reiher geknöpft werden können, wurde aber meist offen getragen.

Unter der Weste trugen die Männer ein weißes Leinenhemd mit weiten Armen. Um den Hals wurde ein gerolltes Seidentuch gebunden, das vorne zu einer dekorativen Schleife gebunden wurde, ähnlich wie eine Fliege.

Besonders dekorativ und eigentlich kaum zu sehen waren die auf Stramin gestickten Hosenträger. Auch hier gab es ganz verschiedene Muster. Um den Hals gelegt wurde die silberne Uhrenkette, an deren Ende neben der Taschenuhr oft noch ein Patrona-Bavariae-Taler getragen wurde. Außer den silbernen Uhrketten gab es auch geflochtene Haarketten. Das Geld bewahrte der Bauer in einer gehäkelten Perlen-Geldkatze auf, die man in den Hosenbund steckte. Einen Geldbeutel, wie man ihn heute kennt, gab es nicht. Die Hosen hatten auch noch keine Gesäßtaschen.

Die Schuhe waren schwarze Lederschuhe, die mit einer Silber- oder Messingschnalle versehen waren. Daneben gab es auch wie bei der Frauentracht die mit Wollfäden bestickten Straminschuhe. Im Gegensatz zu den Frauenschuhen waren lediglich die Absätze etwas flacher.

Nach der Form mit der gelben Kniebundhose kamen die moderneren schwarzen aber langen Tuchhosen auf. Auf Altern Darstellungen von Hochzeitszügen sieht man oft, dass Bräutigam und Trauzeugen modern mit den langen Hosen gekleidet waren, während die älteren Verwandten die gelben Kniebundhosen trugen.

In den nächsten Ausgaben berichten wir Ihnen über die weitere Trachtenentwicklung. Die Männertrachten wurden zu Gunsten der städtischen Mode aufgegeben und die Frauentrachten graben sich zu einer ganz neuen Modeform weiterentwickelt.

Bildunterschriften

Haupt-Bild des Artikels „Brautpaar“ – Foto Christina Czybik: Zur Hochzeit trug der Bräutigam den Langen Mutzen und ein meist grünes Hochzeitsband, das auf der linken Schulter befestigt war. Auch ein Rosmarinzweig wurde vom Brautpaar gehalten (die Bedeutung ist mir aber unbekannt).

Bild „alte Lederhose“- Foto Oliver Brust: Eine der sehr seltenen alten Lederhosen zur Schweinfurter Gautracht. Auffällig ist der breite Hosenlatz, der nur durch die Verzierung einen schmalen Latz andeutet.

„Hosenträger“ – Foto Oliver Brust – Die Hosenträger wurden unter der Weste getragen und waren kaum zu sehen.

Seidene Männerweste (2) – Foto Oliver Brust. Historisches Beispiel für die Farbenvielfalt der fränkischen Trachtenwesten.

Bestickte Wollweste Details – Foto Oliver Brust: Selbst die Wollwesten waren meist aufwändig bestickt.

Geldkatze – Foto Oliver Brust: Geldkatze nannte man einen gehäkelten Geldbeutel, in den Perlen eingearbeitet waren.

Taschenuhren Foto Oliver Brust: Zur Tracht gab es noch keine Armbanduhren. Die Uhrketten der Taschenuhren waren echte Kunstwerke.

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Auftritt bei der Willkommenstour der Touristinfo am 19.09.2020

Foto O.Brust, Archiv Heimatverein: Auftritt bei der Willkommenstour des Landkreises Schweinfurt am 19.09.2020

Die Touristinfo des Landkreises und der Stadt Schweinfurt haben eine Willkommenstour für Neubürger angeboten. Die Tour führte vom Schlossgut Obbach mit dem Thema biolog. Landbau zum Barockschloss Werneck und schließlich nach Geldersheim. Hier begrüßte die Trachtentanzgruppe die Gäste am Marktplatz mit einer Kirchweih-Tanzrunde (Plantour) und einem Figurentanz (Schlamperer). Anschließend zeigten wir den Gästen unsere Gadenanlage und das archäologische Museum.

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Trachtenpracht – Eine Zeitreise (Teil 1)

Gibt es „die“ Tracht überhaupt und wie sind Trachten entstanden?

Vermutlich fand die bäuerliche Kleidung ihren Ursprung in den Kleiderordnungen der jeweiligen Landesherren. In unserer Gegend machte das Fürstbischöfliche Hochstift Würzburg das größte zusammenhängende Gebiet aus. Während in früherer Zeit die Bauern ein eher unterdrückter und armer Teil der Landesbevölkerung waren, kam der Bauernstand zu Beginn des 19. Jahrhunderts zu mehr Wohlstand. Die Kleiderordnungen, die jedem Stand vorschrieben, was er tragen durfte, waren nicht mehr in Kraft. Und so entwickelte sich der Wunsch der Bauern sich zu schmücken, edle Stoffe wie Samt und Seide zu verarbeiten und durchaus auch Schnitte und Formen des Adels und des Bürgertums zu übernehmen.

Regionale Eingrenzung

Trachten hatten immer einen regionalen Bezug. In der Regel waren sie nicht auf einzelne Ortschaften beschränkt, sondern in größeren Gebieten annähernd gleich. Dabei gab es aber auch örtliche Besonderheiten. Unsere Region ist das Herzstück des Gebietes der sog. „Schweinfurter Gautracht“ oder auch „Werntaltracht“. Das weiträumige Gebiet reicht von Münnerstadt, Bad Kissingen, Gemünden, Karlstadt, Würzburg, Gerolzhofen bis Schweinfurt. Andere angrenzende Trachtengebiete bilden der Ochsenfurter Gau im Süden oder die Haßberge im Nordosten und die Rhön im Norden. In alten Trachtenbeschreibungen wird unser Trachtengebiet oft auch mit dem Begriff „Geldersheimer Tracht“ überschrieben. Aufgrund der Größe des Trachtengebiets haben sich jedoch heutzutage eher die Begriffe „Werntaltracht“ und „Schweinfurter Gautracht“ durchgesetzt. Im Folgenden beziehen wir uns in der Regel auf die katholisch geprägten Gebiete. In den evangelischen Dörfern Sennfeld und Gochsheim, hat sich die Tracht aufgrund der direkten Zuordnung zum Kaiser („Reichsfreie Dörfer“) anders entwickelt. Dennoch aber gibt es deutliche Parallelen zur katholischen Tracht.

Wer trug die Trachten?

Es gab damals keine Wechselmöglichkeiten. Trachtenträger zu sein bedeutete eine grundsätzliche Entscheidung, an allen Tagen im Jahr zum jeweiligen Anlass die entsprechende Tracht zu tragen. Es gab Trachten für die Arbeit im Stall und auf dem Feld, für den Werktagskirchgang, den Sonntagskirchgang, für hohe Feiertage, für „frömm-naus“ (z.B. für Einkäufe/Erledigungen in der Stadt oder im Nachbarort) usw. Daneben gab es sämtliche Abstufungen auch noch in schwarz für die Trauerzeit und in braunen bzw. lila Tönen für die Übergangszeit nach der Trauer (sog. „Abtrauer“). Tracht trugen im Dorf Bauern und Handwerker, aber auch Knechte und Mägde. Man nannte die Trachtenträger „Baurische“, weil sie die bäuerliche Kleidung trugen. Im Gegensatz dazu gab es auf den Dörfern auch eine geringe Anzahl an „Städtischen“. Das waren meist Beamte, Lehrer, Kaufleute oder manchmal auch Gastwirte. Sie trugen die allgemeine überörtliche Mode und waren optisch nicht dem Trachtengebiet Schweinfurter Gau zuzuordnen.

Epochen

Manche kennen die Tracht vom Hochzeitsbild der Groß- oder Urgroßmutter, das noch im Wohnzimmer in der Ahnengalerie hängt. Diese typischen Hochzeitsbilder aus den 1920er Jahren spiegeln aber nur einen Teil unserer Trachtenkultur und Trachtengeschichte. Man kann die Entwicklung der Tracht in zwei große Epochen einteilen. Dazwischen gab es immer Übergangsformen. Die sog „alte Tracht“ aus der Zeit um 1830 bis 1880 und die sogenannte „neue Tracht“ aus der Zeit um 1900 bis 1940. Die zeitliche Abgrenzung dabei ist fließend. Tracht war niemals statisch und hat sich immer gewandelt. Wirkliche Veränderungen haben aber vieler Jahre bedurft. Meist entwickelten sich Veränderungen in Zeiträumen von 25 Jahren. Sie erfolgten durch anderen Geschmack und durchaus auch durch modische Einflüsse. Die Tracht wurde insbesondere durch die höfische und später durch die bürgerliche Mode beeinflusst. Während die alte Tracht sehr üppig, bunt, prunkvoll und eher barock war, erschien dagegen die neue Tracht eher dezent, mehr Ton-in-Ton und weniger voluminös.

Die alte Tracht um 1800-1880

So gehörte zur alten Festtracht bei den Frauen der Wattrock als Unterrock, eine Art Reifrock, der den darüber folgenden Röcken den ausladenden eleganten Stand gab. Über dem Wattrock wurden mehrere wollene Unterröcke („Kranzröcke“) getragen, hier gab es verschiedene Farben (blau, rot, grün, sogar pink). Diese Röcke waren im unteren Drittel mit Samtapplikationen und Stickereien verziert. Eigentlich schon Kunstwerke für sich – doch es waren nur die Unterröcke. Prachtvoll verziert waren die feuerroten oder braun-roten, fein plissierten Oberröcke. Sie waren mit teuren Seidenborten belegt, meist drei Reihen übereinander. Die Oberröcke hatten einen Umfang von 6 Metern und sind für heutige Dirndl und Trachten sehr lang gewesen. An dieser Stelle sei mal gesagt, dass die optimale Rocklänge bei einer traditionellen Tracht immer derart sein soll, dass man die Höhe eines Maßkruges darunter stellen kann. Kürzer sollten sie auf keinen Fall sein. Die Oberröcke waren nur hinten und an der Seite plissiert, das heißt in kleine Fältchen gebügelt. Vorne unter der Schürze waren sie glatt. Darüber trug man immer eine Schürze. Meist aus feiner Seide, einfarbig oder mit zarten eingewebten Blümchen und Streifen. Sie wurde entweder mit einem dezenten Bindband befestigt oder mit Haken und Ösen verschlossen. Über die Schürze wurde dann ein Zierband gelegt, das vorne eine Schleife andeutete, die aber nur mit Haken und Ösen geschlossen wurde. Diese mit eingewebten Blumenmustern versehenen ca. 7-10 cm breiten Seidenbänder hätten das Binden einer Schleife nicht schadlos überstanden. An ihrem unteren Ende waren sie mit Goldfransen verziert.    

Als Unterkleid trugen die Frauen ein langes weißes Leinenhemd. Meist waren diese im Bereich des Oberkörpers aus einem feineren Stoff gefertigt und von der Taille bis kurz über den Knien aus einem gröberen Leinenstoff. Darüber trug die Bäuerin ein Leibchen[3] (heute sagen wir Mieder dazu). Es hatte über dem Gesäß ein Polster, so dass die Röcke nicht herunterrutschen konnten und auch ab der Taille der Rock nach außen gedrückt wurde. Anders wie bei den heutigen Dirndln ist das Dekolleté durch das hochgeschlossene Leinenhemd bedeckt. Auch die Brust wurde beim Leibchenschnitt nicht betont. Unter der engen Taille quoll die barocke Form der Röcke hervor. Die enge Taille wurde somit besonders hervorgehoben. Über dem Leibchen folgte zur Festtracht der Körres (eng anliegendes Jäckchen mit keulenförmigen Ärmeln). Der vordere Teil des Leibs beim Körres, aber auch bei den zur Tanztracht getragenen Leibchen, war mit breiten und aufwendigen Goldborten und -spitzen sowie mit meist 8 zweireihig angebrachten Filigransilberknöpfen verziert. Darüber das „Schabbo“ ein weißer Spitzenkragen und darauf das seidene Tuch mit dem sog. „geflammten“ Muster. Dieses wurde über der Brust gekreuzt und im Nacken geschlungen, so dass die beiden Enden hinten herabhingen. Als Kopfbedeckung trug die Frau entweder den goldenen Flitterkranz zur Hochzeit oder an sonstigen Feiertagen die Bänderhaube mit den schwarzen Moireebändern, die meist bis über das Gesäß herabhingen und den ganzen Rücken der Frau bedeckten. Das einigen als Trachtenschmuck bekannte goldene Kreuz gab es zu dieser Tracht noch nicht. Hier wurde ein gefasster Patrona-Bavariae-Taler an einer silbernen Erbskette getragen oder gar eine Bernsteinkette. Manche Frauen trugen auch eine Kropfkette aus feinen Glasperlen. Das Tuch wurde vorne mit einer silbernen Filigran-Brosche gehalten. Die Hände wurden mit aus feinem Garn gestrickten Perlen-Halbhandschuhen verziert. Nur der Daumen war einzeln angestrickt. Diese Handschuhe nennt man „Stäucherli“. Da vorne die Finger herausschauen, kann man auf einigen alten Fotografien sehen, dass reiche Bäuerinnen nahezu an jedem Finger einen Ring trugen.

Zur alten Tracht wurden weiße Baumwollstrümpfe und schwarze Lederschuhe getragen. Die Strümpfe waren mit aufwendigen Zopf- und Lochmustern aus feinem weißen Garn gestrickt. Neben schwarzen Lederschuhen trugen die Frauen auch die ganz flachen „Schleicherli“ oder auch mit buntem Blumenmuster bestickte Straminschuhe.

Bei der beschriebenen Tracht handelt es sich um die Festtracht bzw. Tanztracht. Über die Arbeitstracht aus dieser Zeit kann man nur noch wenig sagen, weil hierzu kaum alte Trachtenstücke überliefert wurden.

In den nächsten Ausgaben informieren wir Sie über die Männertrachten aus der Zeit um 1850, die weitere Entwicklung der lebendigen Tracht zur sog. „neuen Tracht“ um 1920 und bis zu ihrem vermeintlichen Aussterben im Jahr 2000.

Oliver Brust

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Strickstube 14.10.2020

Liebe Brauchtumsfreunde,

die „Strickstube“ in der Wintersaison 2020/21 beginnt wieder.

Am MIttwoch, 14.10.2020, wollen wir uns um 15.00 Uhr im Ateliergaden von Claudia Cebulla treffen.

Es ist eine alte Tradition, dass man sich in den Herbst-/Wintermonaten zum gemeinsamen handarbeiten getroffen hat. Das wollen wir wieder aufleben lassen. Bringen Sie dazu einfach Ihre bereits begonnenen Strick-, Stick und sonstige Handarbeitssachen mit und wir wollen gemeinsam beim gemütlichen Kaffee handarbeiten und uns dabei unterhalten. Übrigens, zur Strickstube sind auch Nichtmitglieder herzlich willkommen. Bitte um kurze telefonische Anmeldung bei Claudia Cebulla Tel. 806165. 

Wichtiger Hinweis zu Corona. Die Anzahl der TeilnehmerInnen ist beschränkt. Bitte melden Sie sich daher unbedingt vorher bei Claudia Cebulla an. Nehmen Sie nicht teil, wenn Sie an Erkältungssymptomen leiden oder positiv auf COVID19 getestet wurden oder Kontakt zu einer an COVID19 erkrankten Person hatten. Die allgemeinen Hygieneregeln sind zu beachten. Die Durchführung des Treffens ist abhängig von der allgemeinen Infektionslage und den daraus abzuleitenden Bestimmungen für Vereinstreffen. Die Kontaktdaten von TeilnehmerInnen werden erfasst.  

Mit freundlichen Grüßen

Annemie Brust, Tel. 85970

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Herzliche Einladung zum Vereinsabend am 01.07.2020 um 20.00 Uhr im Feuerwehrhaus

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Corona-Serie (8)

Liebe Brauchtumsfreunde,

in dieser für uns alle ungewohnten Zeit, in der wir uns nicht zum tanzen, singen, feiern und einfach zum zusammen sein treffen können wollen wir Euch ein paar Bilder aus unserer 32-jährigen Vereinsgeschichte und unserer „Trachtenschatzkammer“ zeigen. Sie sollen Euch an die schönen gemeinsamen Stunden erinnern und die Hoffnung auf eine Zeit wach halten, in der wir uns wieder treffen können und auch große Trachtenfeste feiern können.

Heute befassen wir uns mit dem ehemaligen Radfahrverein.

Unser Bild zeigt den Geldersheimer Radfahrverein vermutlich in den Jahren zwischen 1900 und 1914. Mir geht es hier in erster Linie nicht um die Geschichte des Radfahrvereines, sondern um die Rolle der Tracht. Interessant ist, dass die Männer in zeitgenössischer Mode zu sehen sind. Sie waren es vermutlich auch, die die Mitglieder waren und den Verein mit Leben erfüllt haben. Zu einem Festanlass haben sie Ehrendamen ernannt. Diese sind in der Bildmitte platziert und tragen eine Mischform der Tracht. Mieder, Röcke und Schürzen (mit Schürzenbänder) stammen aus der Zeit der sog. „alten Tracht“ (1850-1880). Die 1900-1920 modernen Halstücher sind aber nicht mehr nach hinten gebunden getragen worden, sondern wurden in den Ausschnitt gesteckt. Bei der späteren Tracht wurden sie dann vor der Brust gekreuzt und in den Schürzenbund gesteckt. So tragen wir sie auch noch heute. Ebenso interessant ist, dass die Ehrendamen keine Festtracht, sondern Tanztracht (mit weißen Blusen) trugen. Eigentlich hätte ich hier den langärmeligen Körres erwartet. Außerdem tragen sie auch das nach 1900 in Mode gekommene goldene Kreuz zur eigentlich alten Tracht von 1850-1880. Man sieht, auch damals gab es das Phänomen, dass man zu besonderen Anlässen in die historischere Kleidungsform gewechselt ist, da man diese für repräsentativer hielt. 

Bleibt gesund.

Mit kameradschaftlichen Trachtengrüßen

Euer
Oliver Brust

Leiter der Trachtengruppe

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Corona-Serie (7)

Liebe Brauchtumsfreunde,

in dieser für uns alle ungewohnten Zeit, in der wir uns nicht zum tanzen, singen, feiern und einfach zum zusammen sein treffen können wollen wir Euch ein paar Bilder aus unserer 32-jährigen Vereinsgeschichte und unserer „Trachtenschatzkammer“ zeigen. Sie sollen Euch an die schönen gemeinsamen Stunden erinnern und die Hoffnung auf eine Zeit wach halten, in der wir uns wieder treffen können und auch große Trachtenfeste feiern können.

Heute befassen wir uns mit dem Fronleichnamsfest.

Unser Bild zeigt die Fronleichnamsprozession vermutlich in den 1920-er Jahren. Der Prozessionszug geht vom Unterdorf/Kreuzuung Würzburger Straße Richtung Kirche. Im Hintergrund ist das Geschäftshaus Georg Hümmer (später Edeka Hümmer und zuletzt Bäckerei Ludwig zu sehen). Interessant ist, dass die Männer in zeitgenössischer Mode zu sehen sind, während noch zahlreiche Frauen in Tracht gekleidet sind. Die ledigen Frauen tragen keine Kopfbedeckung und bei den verheirateten Frauen sind die Kopftücher gut zu erkennen.

Ein weiterer religiöser Brauch zu Fronleichnam war es, dass junge Mädchen in Festtracht die Mutter-Gottes-Statue mitgetragen haben. Diese Mädchen wurden „Marienbildmädchen“ genannt. ca. 1995 bis 2012 haben wir diesen Brauch in Geldersheim wieder aufleben lassen. Zuletzt war es schwer, die Mädchen dazu zu motivieren und der Brauch ist wieder eingeschlafen. Vielleicht gelingt es uns in der Zukunft wieder…?

Bleibt gesund.

Mit kameradschaftlichen Trachtengrüßen

Euer
Oliver Brust

Leiter der Trachtengruppe

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Corona-Serie (6)

Liebe Brauchtumsfreunde,

in dieser für uns alle ungewohnten Zeit, in der wir uns nicht zum tanzen, singen, feiern und einfach zum zusammen sein treffen können wollen wir Euch ein paar Bilder aus unserer 32-jährigen Vereinsgeschichte und unserer „Trachtenschatzkammer“ zeigen. Sie sollen Euch an die schönen gemeinsamen Stunden erinnern und die Hoffnung auf eine Zeit wach halten, in der wir uns wieder treffen können und auch große Trachtenfeste feiern können.

Heute sehen Sie Bilder mit der sog. „alten Tracht“:

Aufnahme aus den 1920-er Jahren. Eine junge Geldersheimerin hat die historische Tracht als Tanztracht angezogen.
Hier im Vordergrund die historische Tracht als Hochzeitstracht.
Rosa Schmittfull und Hermann Christ sind in den 50-er Jahren für diese Aufnahme in die historische Tracht geschlupft.
Unsere Sina ist 2010 für die Aufnahme in die historische Tracht geschlüpft.

Unsere Frauentracht hat sich immer wieder weiterentwickelt. Es gibt jedoch besondere Epochen. Die sog. „alte Tracht“ aus der Zeit von 1800-1880 und die „neue Tracht“ aus der Zeit von 1880 bis 1930. Die alte Tracht ist sehr bunt und die Röcke sind weit ausladend. Als Unterrock wird ein sog. Wattrock getragen. Das ist ein wattierter Reifrock, der für die besondere Form des Oberrocks sorgt. Über dem Wattrock und unter dem Oberrock wird der mit Kurbelstickerei verzierte eigentliche Unterrock getragen, der aus schwerem Wollstoff gemacht wurde. Die Oberröcke waren meist rot aus gestärktem Leinen und am Saum mit seidenen Blumenbändern besetzt. Körres bzw. Mieder waren reich mit goldenen Borten verziert. Das Schultertuch wurde nach hinten geschlungen und nicht wie bei der späteren Form über der Brust gekreuzt und in den Schürzenbund gesteckt. Zur Hochzeit trug die Braut einen sog. Flitterkranz und später die Bänderhaube. Diese Tracht ist die wohl prächtigste Form. In unseren Beständen befinden sich ein paar einzelne Exemplare, die wir nur zu Ausstellungszwecken benutzen. Die eigentliche Vereinstracht ist die mehr bekannte Form um 1920.

Bleibt gesund.

Mit kameradschaftlichen Trachtengrüßen

Euer Oliver Brust

Leiter der Trachtengruppe

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Corona-Serie (5)

Liebe Brauchtumsfreunde,

in dieser für uns alle ungewohnten Zeit, in der wir uns nicht zum tanzen, singen, feiern und einfach zum zusammen sein treffen können wollen wir Euch ein paar Bilder aus unserer 32-jährigen Vereinsgeschichte und unserer „Trachtenschatzkammer“ zeigen. Sie sollen Euch an die schönen gemeinsamen Stunden erinnern und die Hoffnung auf eine Zeit wach halten, in der wir uns wieder treffen können und auch große Trachtenfeste feiern können.

Heute zeigen wir Euch diese Themen:

Kleidung der Kommunionmädchen als Zeichen für das Aussterben der Trachtenkultur

Beide Kommuniongruppenbilder zeigen Geldersheimer Kommunionkinder. Die Bilder stammen aus der Zeit um 1909-1920. Genau kann ich das zweite Bild leider nicht datieren (Wenn jemand dazu etwas sagen, kann, dann freue ich mich über Rückmeldungen.) Die wichtige Aussage bei den beiden Bildern ist: Geldersheim als Bauerndorf war von einer intensiven Trachtenkultur geprägt. Auf dem älteren Bild von 1909 waren noch nahezu alle Mädchen in der Festtracht gekleidet und nur die beiden Mädchen in der Mitte waren weiß gekleidet und wurden eher versteckt positioniert. Die Mode änderte sich und in den Folgejahren machten die Trachtenmädchen den kleineren Teil aus und wurden eher untergeordnet positioniert.

Auch wenn in den 1920-er Jahren noch sehr viele erwachsene Frauen im Dorf „baurisch“ waren, das heißt Trachtenträgerinnen waren, so begann mit der Wandlung der Kleidung bei den Kommunionmädchen das Aussterben der lebendigen Trachtenkultur im Werntal. 

Anmerkung: Die Kleidungskultur bei den Männern hat sich bereits in den 1880-er Jahren verändert. So gab es nach 1900 keine in Tracht gekleideten Burschen und Männer mehr.

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Corona-Serie (4)

Liebe Brauchtumsfreunde,

in dieser für uns alle ungewohnten Zeit, in der wir uns nicht zum tanzen, singen, feiern und einfach zum zusammen sein treffen können wollen wir Euch ein paar Bilder aus unserer 32-jährigen Vereinsgeschichte und unserer „Trachtenschatzkammer“ zeigen. Sie sollen Euch an die schönen gemeinsamen Stunden erinnern und die Hoffnung auf eine Zeit wach halten, in der wir uns wieder treffen können und auch große Trachtenfeste feiern können.

Heute sehen Sie diese zwei Bilder:

Zur heiligen Erstkommunion trugen die Mädchen zum ersten Mal die Festtagstracht analog der späteren Hochzeitstracht. Auf dem Kopf das grüne Myrtenkränzchen und das helle Seidentuch. Wir sind in Geldersheim besonders stolz, dass in der Geschichte unseres Vereins seit der Gründung 1988 immer wieder junge Mädchen und Burschen sich dafür entschieden haben, an ihrer Erstkommunion in Tracht zu gehen.

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