Herzschlag Heimat

Gemäß einem Aufruf des Bayerischen Trachtenverbandes unter dem Motto „Herzschlag Heimat“ hat unser Vereinsmitglied Florian Christ ein Video (https://youtu.be/TJYqZma2zkE) erstellt, das zeigt, was für uns Galderschummer Trachtler „Heimat“ ist. Die Videos sollten ursprünglich an einer zentralen Veranstaltung des Bayerischen Trachtenverbandes gezeigt werden. Diese Aktion ist jedoch der Corona Pandemie zum Opfer gefallen bzw. wird verschoben.

Vielen Dank an Florian Christ.

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Frohe Ostern

Liebe Brauchtumsfreunde,

wir wünschen Euch allen ein frohes und gesegnetes Osterfest 2021. Mit dem Osterfest ist auch immer die Hoffnung auf die Auferstehung verbunden. Wir wünschen uns, dass wir bald wieder mit unserem Vereinsleben beginnen dürfen.

Bis dahin, bleibt alle gesund.

Die Vorstandschaft

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Wünsche zum Weihnachtsfest

Liebe Brauchtumsfreunde,

wir wünschen Euch und Euren Familien trotz aller Pandemieeinschränkungen ein frohes und gesegnetes Weihnachtsfest und ein wahrlich besseres Jahr 2021. 

Auch wenn derzeit unsere Vereinsaktivitäten ruhen, so bleiben wir doch die gleichen Menschen – Menschen, die sich für ihre Heimat und das Brauchtum einsetzen. Wir halten durch, halten Abstand, schützen andere und uns. Dann haben wir zu gegebener Zeit auch wieder die Chance, uns bei Festlichkeiten, Tanzabenden, Theateraufführungen und zur Kirchweih zu treffen. Wann das so sein wird, können wir alle noch nicht absehen. Aber wir sehen dem Tag voller Sehnsucht entgegen. Ihr fehlt uns. Die Treffen mit Euch fehlen uns. Aber das Gebot der Stunde und des Jahreswechsels 2020 heißt Distanz zu halten. Dies gilt aber nur für die persönlichen Kontakte. Sich zu schreiben, anzurufen, zu chatten oder zu skypen ist ja möglich. Nutzt daher auch diese Wege, um miteinander in Kontakt zu bleiben und unseren Verein nun eben multimedial weiter mit Leben zu erfüllen. 

Alles Gute, bleibt gesund, gesegnete Festtage.

Die Vorstandschaft

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Nachruf für Peter Kluge

S‘ Feieramd – das Tagwerk ist vollbracht
S‘ geht alles seiner Heimat zu
Ganz sachte schleicht die Nacht

Ja mit dem Feierabendlied haben wir zusammen mit Peter Kluge bei zahlreichen Auftritten der Galderschummer Schlapperflicker den Kehrausreigen beendet. Und nun ist auch Peters musikalisches Leben beendet.

Wir nehmen Abschied von Peter Kluge, unserem Schlapperflickerkollegen, Vereinsmusiker im Verein f. Heimat- u. Brauchtumspflege Geldersheim und Ehrenmitglied und ehemaligen Gaumusikwart im Trachtenverband Unterfranken. 

Peter Kluge tat 1989 seinen ersten Schritt in die Gemeinschaft der Trachtler und begleitete eine gemeinsame Tanzgruppe von Schweinfurter, Röthleiner und Euerbacher Trachtlern bei einem Besuch in Schweinfurts Partnerstadt Chateaudun. In der gleichen Zeit gründete sich in Geldersheim die Volktanzgruppe und Peter wurde unser Galderschummer Vereinsmusiker. Er trat dem Verein 1993 bei. Er hat uns bis 2019 bei den Auftritten aufgespielt und zahlreiche Tanzproben zu einem geselligen Liederabend verwandelt. Selbst heuer im Sommer, als Vereinstreffen wieder möglich waren, ließ er es nicht nehmen mal wieder zu uns zur Tanzprobe zu kommen.

1995 wurde er an der Bezirksversammlung des Trachtenverbandes Unterfranken in Reichenbach zum Gaumusikwart gewählt und begleitete dieses Ehrenamt bis zum Jahr 2011. In dieser Zeit organisierte er zahlreiche Musikantenschulungen für die Unterfränkischen Trachtenvereine und vertrat den Gauverband auf überörtlichen Veranstaltungen und Versammlungen des Bayerischen Trachtenverbandes. Er war über die Grenzen Unterfrankens hinaus bekannt und sehr geschätzt. Bei zahlreichen Veranstaltungen trat er mit seinem Akkordeon zum Wirtshaussingen auf und brachte den Menschen Stimmung und Freude, wenn sie mit Herzenslust mit ihm zusammen singen konnten. Im Jahr 2012 ernannten ihn die Unterfränkischen Trachtler in dankbarer Anerkennung seiner musikalischen Lebensleistung zum Gauehrenmitglied.

Neben seinem Wirken im Geldersheimer Heimatverein und dem Trachtenverband trat er bereits 1991 der Volksmusikgruppe „Die Galderschummer Schlapperflicker“ bei, für die er bis 2011 das musikalische Herzstück war. Er hat für die Schlapperflicker viele Stücke geschrieben bzw. neu arrangiert. Legendär waren die Auftritte an der Zürchkirchweih in Schweinfurt, wo wir durch die Reihen gegangen sind und ohne Verstärker Musik gemacht und gesungen haben. Bei fast jedem Auftritt der Schlapperflicker haben mir mit dem Musikstück „Der Humtscher“ begonnen, das Peter für uns arrangiert hat.

Heuer im September zu seinem 80. Geburtstag haben ihm Musikkollegen der Galderschummer Schlapperflicker ein Ständerle gespielt. Er war zu Tränen gerührt und freute sich sehr. Wir sprachen lange über unsere gemeinsame Zeit und alles drehte sich um die Musik. Er bedauerte es sehr, dass er die Kraft und die Fingerfertigkeit nicht mehr hatte, auf seinem Akkordeon zu spielen. Seine Krankheit machte ihm einfach zu schaffen. Und schließlich hat nun am 08.12.2020 sein Musikantenherz aufgehört zu schlagen.

Ja lieber Peter, s is Feieramd – Dein Tagwerk ist vollbracht!

Wir alle werden dich in guter Erinnerung behalten und an Dich denken. Auch wenn dich heute aufgrund der Corona-Beschränkungen die Trachtler und Musikanten nicht auf deinem letzten Weg begleiten dürfen und sich die Vereinsfahne und die Gaufahne nicht über deinem Grab verneigen dürfen, so sind wir im Herzen dabei. Ruhe sanft.

In kameradschaftlicher Verbundenheit

Oliver Brust

Im Namen der Trachtlerinnen und Trachtler aus Unterfranken sowie dem Verein f. Heimat- und Brauchtumspflege Geldersheim und der ehemaligen Volksmusikgruppe „Die Galderschummer Schlapperflicker“

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Sterne fürs Altenheim

Die Jugendvertreter des Bayerischen Trachtenverbandes haben zu der Aktion „Ein Stern für dich!“ aufgerufen, um den Bewohnern in Alten- und Pflegeheimen, die ja jetzt in der Corona-Zeit nur wenig Kontakt nach außen haben dürfen, eine kleine Freude in der Vorweihnachtszeit zu machen. Diesem Aufruf sind die Kinder des Heimat- und Brauchtumsvereins Geldersheim natürlich gerne gefolgt und haben fleißig Sterne gebastelt. Dabei sind die unterschiedlichsten Exemplare, gefaltet aus Papier oder in Window-Color entstanden. Silvia Mohr vom örtlichen Alten- und Pflegeheim St. Martin und die Pflegekräfte haben die Sterne gerne aus der Hand der 1. Vorsitzenden des Vereins, Renate Moreth, entgegengenommen, um damit die Fenster im Heim zu dekorieren.
Die Trachtenkinder wünschen gesegnete Weihnachten.

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Hoch lebe die Kerwa – Sie lebt!

Wir lassen die Tradition nicht untergehen.

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Galderschummer Kerwa 2020

Liebe Brauchtumsfreunde,

wer hätte das im letzten Jahr gedacht, als wir unsere traditionelle Kerwa in Galderschum gefeiert haben, dass heuer alles so anders sein würde.

Am vergangenen Samstag hätten unsere Fichtenburschen die Fichten im Wald geholt, die Mädchen hätten Fähnchen gebunden, zahlreiche Tanzproben hätten stattgefunden und Alle würden sich auf das Kirchweihwochenende freuen.

Doch heuer wird es leider nichts mit alledem. Oder doch? Wir freuen uns jedenfalls, wenn die Trachtler zum äußeren Zeichen mit Tracht in den Gottesdienst am Sonntagvormittag gehen.

Der Gochsumer („Ba-Ram-Ba Ba-Ba-Ramba…“, unser Kirchweihmarsch) und die Blasmusik wird mir und vielen anderen Kirchweihfreunden jedenfalls fehlen. Wir Tänzerinnen und Tänzer haben uns immer viele Wochen lang auf die Kirchweih gefreut, auf das Tanzen, das Singen, die Gaudi, insbesondere an den vier Tagen von Freitag bis Montag. Egal, auch mit nur wenig Stunden Schlaf gings am nächsten Tag weiter und wir haben getanzt und unsere Füße nicht mehr gespürt, aber es war immer wieder super. Unsere Fichtenpaare haben mal auf ihren T-Shirts einen Spruch gehabt „ Galderschummer Kerwa …. Leider geil“. Ja heuer ist „Galderschummer Kerwa …. leider nix“.

Und das Kerwalied lautet heuer:

Heut wär Kerwa, morgn wär Kerwa
Und die ganza Wocha
Weil mer halt die Seuche ham,
bleib mer aufm Sofa
Holdriholdra holdriholdra es geit ners über er Baurerschfrau
Holdriholdra holdriholdra es geit ners über er Fraa.

Auch der Text vom Abschiedslied beim Kirchweiheingraben nach dem Hammelessen, das sonst immer am Freitag nach der Kirchweih stattfand, lautet:

„Froh und freudig wolln wir scheiden,
froh und freudig wolln wir ziehn,
nächstes Jahr, wenn wir noch leben,
gibts ein frohes Wiedersehn“

In diesem Sinne laden wir herzlich zur Galderschummer Kerwa 2021 ein. Bitte den Termin gleich jetzt im neuen Kalender anmerken.

Programm Galderschummer Kerwa 2021

19.-22.11.2021

Freitag, 19.11.2021 ab 20.00 Uhr

Fränkischer Kirchweihtanz im Fränk. Hof mit den „Körnier Rucksern“

Kartenreservierung bei Oliver Brust, Tel. 09721 / 802423 oder olliebrust@t-online.de

Samstag, 20.11.2021, ab 09.00 Uhr

Kirchweihständerli und ab 14.00 Uhr Umzug der Fichtenpaare mit Fichtenaufstellen

Sonntag, 21.11.2021

14.00 Hammeltanz am Plua mit dem Musikverein Geldersheim anschl.  Kaffeebar im Fränkischen Hof

15.00 -18.00 Zünftige Blasmusik zum Mitsingen und Tanzen mit der Holzhäuser Schlachtschüssel Mussig

15.30 Uhr Auftritt der Kindertanzgruppe im Saal

ab 17.00 Uhr gibt’s „Fasäali“ und andere Kirchweihspezialitäten im Saal

19.30 Uhr Fackelumzug vom Fränkischen Hof zum Hammelkönig und zurück, anschl. Fränkischer Tanz und Krönung des Hammelkönigpaars,

Kirchweihbetrieb im Fränk. Hof mit dem Musikverein Geldersheim

Montag, 22.11.2021

14.00-18.00 Uhr Seniorenkirchweih im Saal des Fränkischen Hofs

Kaffee, Kuchen und am Abend Kirchweihessen.

Freitag, 26.11.2021, 20.00 Uhr

Hammelessen im Sportheim, Anmeldung bitte bei Renate Moreth, Tel. 09721/87746, renatemor@t-online.de

Hoch lebe die Kirchweih

Mit lieben Grüßen an alle Fichtenpaare und Kirchweihfreunde

Euer Hammelkönigspaar

Ida Bartenstein und Oliver Brust

(PS: Wir bleiben Euch noch ein Jahr erhalten)  

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Ehrungen bei der Jahreshauptversammlung

V.l.n.r.: Ehrenvorstand Wilfried Brust, ehemaliger Spielleiter Roland Vogel, Ehrenmitglied Georg Huppmann, stellv. Vorstand Oliver Brust, Florian Christ (25 Jahre), Elmar Hübner (Theaterehrung 25 Jahre), Vorsitzende Renate Moreth. ))==Foto: F. Kress

Am 30.09.2020 fand unsere Jahreshauptversammlung im Feuerwehrhaus statt. Für 25-jährige Mitgliedschaft wurden Sigmund Appelmann, Florian Christ, Michael Neeb, Linda Erhard, Heike Kötschau, Karlheinz Schießer und Markus Zopf geehrt. Elmar Hübner erhielt vom Bund Deutscher Amateurtheater eine Auszeichnung für 25 Jahre aktives Theaterspiel überreicht durch Renate Moersbach vom BDAT und der ARGE Mundarttheater Franken. Roland Vogel wurde als Spielleiter der Theatergruppe aus dem Dienst verabschiedet und Martin Schlör als neuer Spielleiter von der Theatergruppe bestätigt. Eine besondere Auszeichnung wurde unserem Georg Huppmann zuteil: Die Versammlung ernannte ihn zum Ehrenmitglied. Er hat sich als Trachtler, Theaterspieler, Kulissenbauer, Gerätewart im Lagerhaus und vielen anderen Bereichen seit der Gründung unseres Vereins intensivst eingebracht. Die Einrichtung des Museums im Lagerhaus geht auf seine Initiative zurück. Herzlichen Glückwunsch allen Geehrten.

gez. die Vorstandschaft  

2020-09-30 Ehrung Elmar Hübner 25 Jahre Theater
Renate Moersdorf von der ARGE Mundarttheater Franken ehrt Elmar Hübner für sein 25-jähriges aktives Mitwirken in der Theatergruppe. Foto O. Brust

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Die Blütezeit der Schweinfurter Gautracht

Teil 3 der Trachtenserie

Dass sich Trachten immer wieder verändert haben und Mode auch in der Tracht eine gewisse Rolle spielt, haben wir in den vorhergehenden Artikeln dieser Serie bereits erklärt. Modische Veränderungen haben sich aber immer in großen Zeiträumen von 10-20 Jahren abgespielt und so hat sich die Tracht im Schweinfurter Gau oder auch im Werntal ab 1890 zu einer neuen schlichten und gleichsam prächtigen Form weiterentwickelt. Schlicht bezogen auf den eher barocken Stil der 1850-er Tracht und prächtig bezogen auf Stoffqualitäten wie Samt und Seide.

Wie bei der höfischen Kleidung haben sich auch die Trachten der Bauersfrauen zu meist schwarzen Kleidern entwickelt. Der Körres (=Oberteil der Festtracht) und der Rock sind zwar immer noch 2 getrennte Kleidungsstücke aber nunmehr aus dem gleichen Stoff. Man nennt diese Trachten daher auch „Körresklääder“.

Die sogenannten Körreskläder bestehen aus dem Körres und dem Rock. Darüber werden ein Schultertuch und eine Schürze getragen. Die Farben der Schürzen und Tücher sind auf den Anlass und den kirchlichen Kalender abgestimmt. An bestimmten Feiertagen z.B. Weihnachten, Ostern Pfingsten, Fronleichnam wurden vornehmlich rote Tücher und Schürzen angezogen. Wenn wir von rot sprechen, sind immer schwarzgrundige Muster mit eingewebten roten Mustern gemeint. Das können Blumenmuster aber auch stilistische Ornamente sein. In der Karwoche wurde z.B. lila oder blau getragen. Zur Beerdigung und auch in der Trauerzeit danach komplett schwarz. Nach der Trauerphase gab es die Zeit der Abtrauer oder Nachtrauer. Hier wurden dann statt komplett schwarz schon auch gedeckte Farben getragen (blau, lila, grün, braun).

Doch zurück zu den Körreskläädern. Während bei der Tracht um 1850 der Rock aus einem roten mit Seidenborten besetzten Woll-Leinen-Gemisch bestand und dazu ein mit Goldborten besetzter Seiden- oder Tuchkörres getragen wurde, wurden bei den Körreskläädern für Rock und Oberteil die gleichen Stoffe verwendet. Es gab Seide mit eingewebten bunten Mustern und Blumen, einfarbiger Seidentaft, Atlas, Samt, Woll-Seide-Jacquard oder auch Wollstoff. Die meisten Kärreskläder waren schwarz. Es gab aber auch ganz exotische Farben wir blau, lila, weinrot, pink, grün, curry, braun. Manche Röcke waren mit 1-3 schwarzen umlaufenden Samtbändern versehen. Nach der 1850-er Tracht, mit eng in Falten plissierten Röcken wurden in der Übergangszeit zur neuen Tracht (1920) zunächst lange gezogene (gestiftelte) glatte Röcke (darunter auch noch der Wattrock) getragen. Ab 1910 kamen dann die gut 10 cm kürzeren Faltenröcke auf. Die Falten wurden mit der Hand gebügelt (Faltentiefe 1,5-3 cm). Bevor der Rock im Bund gefasst wurde, waren die Röcke noch mit ca. 3 Reihen gestiftelt. Vorne (unter der Schürze) sind die Röcke stets glatt und auch nicht gestiftelt.

Die Körres der alten Tracht waren aufwändig mit Goldborten am Ausschnitt verziert, denn die Schulter-Tücher wurden nach hinten geschlungen. Bei der neuen Tracht dagegen wurden die Tücher über der Brust gekreuzt und in den Schürzenbund gesteckt, so dass man den Ausputz an der Brustseite nicht mehr sehen konnte. Dennoch haben die Schneiderinnen in der Zeit weiterhin aufwändige Verzierungen angebracht. Aus dem gleichen Stoff wie der Körres wurden Smok-Arbeiten erstellt. Diese Borten wurden um den Brustausschnitt angebracht. Die „Froschmöllesbördli“ (Froschmäulchen-Borten) wurden am Rücken zum andeuten der Bogennaht angebracht. Die unteren Ärmel der Körres wurden in allen Dörfern des Schweinfurter Gaues mit einer aufwändigen und bunten Nähmaschinen-Stickerei verziert. Hier bildet Geldersheim eine Ausnahme. Die Schneiderin in Geldersheim hat bei der Gestaltung der Körresärmel die Machart der alten Tracht beibehalten und auf der Oberseite des Unterarms kleine Fältchen gelegt. Um die Bündchen wurde ebenfalls eine Smokarbeit angebracht.

Hieraus kann man übrigens erkennen, dass es in den Dörfern Schneiderinnen gab, die fürs ganze Dorf genäht haben, denn fast alle Kleidungsstücke aus einem Dort tragen die gleiche „Handschrift“. Es hab also örtliche Unterschiede, der wohl deutlichste Unterschied ist bei der Geldersheimer Tracht anzumerken. Doch auch bei manch anderen Dörfern gibt es z.B. einen Bund, der vorne extra zu schließen war. Im Wesentlichen sind die Körres aus allen Dörfern der Schweinfurter Gautracht oder Werntaltracht gleich.

Unter dem Körres trug man entweder das Mieder („Leible“ oder „Korsettle“ genannt), das am Rücken über dem Gesäß ein wattiertes Polster hatte, auf dem die Unterröcke und der Oberrock saßen. Vorne war es spitz nach unten zulaufend geschnitten, so dass es gut im Rockbund gehalten hat. Der Körres ist etwas kürzer und wurde nie in den Rock gesteckt. Wenn auch die Mieder weiter ausgeschnitten waren als der Körres, so trug man darunter bis zum Hals hochgeschlossene weiße Leinen- oder Baumwollblusen („Hömmer“ genannt). Mieder wie auch Körres waren außerdem flach geschnitten, so dass die Brust keinesfalls betont wurde.

Bei den Schürzen und Tüchern gab es ebenfalls verschiedene Stoffqualitäten. Für Feiertage Seide, für Sonntage Seide und Wollmousselin, für die „Werktagskirch“ und „Frömm-naus“ (z.B. Einkäufe in der Stadt) Wollmusselin und für die Feld-, Stall- oder Hausarbeit meist blaue Baumwollschürzen. Man bedenke, dass die Trachten in der Regel nicht waschbar waren. Nur die blaue Arbeitstracht sowie die weißen Unterröcke und Hemden (auch bei der Frauentracht sprach man von Hemden und nicht von Blusen wie heute) waren waschbar. Die guten Trachten wurden nach dem Kirchgang gelüftet und aufgeräumt. Man trug zuhause die waschbare Werktagstracht. Eine Frau hatte sich früher mehrfach am Tag umzuziehen, denn die Tätigkeiten wechselten von Stallarbeit, Haushalt und Gottesdienst.

Interessant ist auch die urfränkische Kopfbedeckung: Das Kopftuch. Wie in vielen Religionen üblich bedecken verheiratete Frauen ihr Haupt zumindest beim Kirchgang. So ist das auch bei den Trachten im Schweinfurter Gau in den katholisch geprägten Dörfern üblich gewesen. Junge unverheiratete Mädchen trugen keine Kopfbedeckung. Lediglich zur Kommunion, zur Firmung, als Marienbildmädchen an Fronleichnam und zuletzt zur Hochzeit trugen die ledigen einen Myrtenkranz. Ab der Hochzeit aber ein Kopftuch, das unter dem Kinn zu einer lockeren Schluppe gebunden war. Die Bänderhaube stammt eigentlich aus der früheren Trachtenepoche. Sie wurde nur zu ganz besonderen Repräsentationszwecken auch zu den Körreskläädern getragen. Heute ist bei den Trachtenvereinen die Bänderhaube üblich und ein Kopftuch sieht man eigentlich nicht mehr.

Besonders ausgeprägt ist der Biedermeier-Schmuck aus sog. Schaumgold. Die Frauen trugen Ohrringe, Fingerringe (durchaus an mehreren Fingern), manchmal bis zu drei Broschen und das goldene Kreuz, das meist an mehreren silbernen Erbsketten hing. Armbanduhren gab es zur Tracht nicht. In den 1920-er Jahren kamen kleine Taschenuhren als Modeerscheinung zur Tracht auf. Sie wurden ebenfalls an einer Halskette befestigt („Schieberkette“) und in einem kleinen Täschchen, das im Bund des Körres versteckt war, getragen.

Männertrachten gab es zu dieser Zeit nicht mehr. Die Männer trugen ab 1900 bis 1920 zu festlichen Anlässen den schwarzen Gehrock, darunter ein weißes Hemd mit Fliege oder Krawatte, schwarze Weste und einen Zylinder. Später einen meist schwarzen Anzug. Sie waren nicht mehr der Heimatregion zuordenbar, sondern komplett „städtisch“ modern gekleidet. Während die Frauen durch ihre Kleidung noch regional zuordenbar waren.

In der nächsten Folge in einer der kommenden Ausgaben geht es um die weitere Entwicklung der Tracht bis heute. 

Oliver Brust, 16.09.2020

Bildunterschriften

Mädchen und zwei Frauen: Foto O.Brust

Von links nach rechts: Mädchen mit Myrtenkranz und Festtracht, verheiratete Frau mit Festtracht, verheiratete Frau mit Abtrauertracht

Historisches Brautpaar – Archiv Heimatverein

Besonders auffällig bei der Braut ist der Schmuck. Neben dem goldenen Kreuz trägt sie die kleine Taschenuhr an einer Schieberkette. Der Bräutigam ist schon im Anzug gekleidet.

Historisches Porträit – Archiv Heimatverein

Bei dieser historischen Aufnahme fallen der Schmuck (goldenes Kreuz, Brosche(n) und die Ohrringe) sowie die aufwändige Frisur auf.

Frau mit roter Schürze – Foto O. Brust

Ein versteckter Schatz ist das auf Samt gestickte „Gern-Daschla“. Eine flache Tasche zum umbinden, die immer von der Schürze verdeckt war. „Gern“ ist ein alter Dialektausdruck für Schoß.

Frau mit rosa Schürze – Foto O. Brust

Die junge Braut trägt den Myrtenkranz und einen typischen Geldersheimer Körres, denn die Ärmel sind nicht bunt verziert. Die in den anderen Orten üblichen Körres mit den bunt verzierten Ärmeln bezeichneten die alten Geldersheimerinnen als „frömme Moudi“.

4 Frauen mit Kopftuch – Archiv Heimatverein

Die Frääli sind noch echte Trachtenträgerinnen gewesen, die die Tracht auch im Alltag trugen. Bei Ihnen sieht man das für die fränkische Tracht typische Kopftuch (die sog. „Hulla“). Die Aufnahme entstand nach dem Schützenumzug 1989 in Geldersheim.

4 Personen von hinten – Foto O.Brust

Auf diesem Foto kann man die Veränderung der Tracht am besten erkennen. Die historische Tracht bei Mann und Frau um 1850 und die „neue“ Tracht um 1920. Die Männer tragen schon keine Tracht mehr, sondern Gehrock und Zylinder.

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Die Männertracht im Schweinfurter Gau

Teil 2 der Trachtenserie

Die sog. „Schweinfurter Gautracht“ oder „Werntaltracht“ erstreckt sich über ein Gebiet von Münnerstadt über Gemünden, Karlstadt, Würzburg, Gerolzhofen bis Schweinfurt. Wir sprechen hier von verschiedenen Trachtenepochen. Die sog. „alte Tracht“ stammt aus der Zeit zwischen 1800 und 1880, bis zur „neuen Frauen-Tracht um 1920“ gab es eine Übergangsform. Auch die 1920-er Form erfuhr eine Abwandlung und wurde zuletzt noch bis ca. 2000 von einigen wenigen alten Frauen getragen. Die Männertrachten jedoch haben diese neuen Entwicklungsstufen nicht erlebt. So sprechen wir hier bei der Männertracht von der Zeit um 1800 bis 1880.

Wie auch bei den Frauentrachten gab es bei den Männertrachten verschiedene Abstufungen zu den jeweiligen Anlässen. Ob man den Begriff „Baurische“ (Frauen die auch im Alltag ausschließlich Tracht getragen haben) auch für Männer benutzt hat, ist nicht bekannt. Jedenfalls muss betont sein, in dieser Phase der Tracht sprechen wir von der sog. „lebendigen Tracht“. Die Menschen haben sich also ausschließlich in Tracht gekleidet. Es war keine Uniform und kein Kostüm für besondere Anlässe, sondern die ganz normale übliche Kleidung für die Menschen in unserer Region. Dies trifft vornehmlich auf Bauern und Handwerker der Dörfer zu.

Einflüsse auf die Männertrachten hatten militärische Kleidung und auch höfische Mode. So ist der für unsere Region so typische Hut, der Dreispitz, auch in zahlreichen europäischen historischen Uniformen üblich gewesen. Prachtvoll ausgeputzt wurden die Hüte aber auch von Kaisern und Königen getragen. In unserer Bauerntracht waren die Dreispitze meist mit einem schwarzen Samt band eingefasst und von einer Kordel zusammengehalten. Würde man diese lösen und die drei Seiten herunterklappen, ergäbe sich ein runder, breitkrempiger Hut. Ich denke aber nicht, dass das üblicher Weise oft gemacht wurde, denn auf dem Hutrand waren noch Applikationen aus Goldborten angebracht. Und den Gupf verläuft ein Hutband, dessen Ende mit 2 großen Quasten aus einem der hinteren Hutecken hängt.

Die typische Männertracht besteht aus einer gelben Kniebundhose, einer roten Wollweste und einer blauen Joppe. Die Hosen waren meistens aus hell gegerbtem Hirschleder und reichten bis zu den Waden. Darüber wurden die baumwollenen weißen aber auch blau-weiß gemusterten Kniestrümpfe gezogen, mit einem kleinen Riemen oder Strumpfband gehalten. Heute sind statt der Lederhosen Hosen aus Baumwolle üblich, sogenannte „Velveton-Hosen“. Dieser Stoff ist an der Oberfläche Leder sehr ähnlich, atmungsaktiv, bequem und vor allem waschbar. Wir müssen uns bei allen Trachtenteilen immer vor Augen halten, dass nur die weiße Wäsche (Strümpfe und Hemden und bei den Frauentrachten noch die Unterröcke) waschbar waren. Alle anderen Kleidungsstücke sind zu aufwändig verziert, so dass sie nicht gewaschen werden konnten. Reinigungen gab es damals noch nicht. Daher sind die Festtrachten nach dem Kirchgang ausgezogen, gelüftet und wieder verräumt worden. Die Arbeitstrachten waren meist aber aus waschbaren Baumwoll- oder Leinenstoffen gefertigt und konnten auch gewaschen werden.

Wer jetzt glaubt, dass mit dem typischen Bild (rote Weste, blaue Jacke, gelbe Kniebundhose, Dreispitz) die Männertracht im Schweinfurter Gau umfassen beschrieben ist, irrt gewaltig. Neben den roten Wollwesten, hatten reiche Bauern noch zahlreiche andere Farben und Stoffqualitäten. Einfarbige Seidendamastwesten mit einfarbig eingewebten Blumenmustern oder auch bunt gemusterte Westen sowie Samtwesten waren durchaus üblich. Es gab einreihig und zweireihig geknöpfte Westen, die oft mit silbernen und goldenen Borten versehen waren. Den großen Reichtum drückten die silbernen Kugelknöpfe aus. An mancher Weste findet man davon zwischen 10 und 20 Knöpfe. Die roten Wollwesten wurden oft auch noch bunt bestickt. Bei den Westen war der Rückenstoff in der Regel aus einem hellen manchmal gestreiften Baumwoll-Nesselstoff gefertigt und nur das Vorderteil aus dem edlen Material gemacht.

Über der Weste wurde die blaue Tuchjacke, die Joppe, getragen. Sie war als Zweireiher mit silbernen Knöpfen besetzt. An hohen Festtagen wurde statt der Joppe der lange Mutzen getragen. Er war ebenfalls aus blauem Tuch gefertigt und hätte als 2-Reiher geknöpft werden können, wurde aber meist offen getragen.

Unter der Weste trugen die Männer ein weißes Leinenhemd mit weiten Armen. Um den Hals wurde ein gerolltes Seidentuch gebunden, das vorne zu einer dekorativen Schleife gebunden wurde, ähnlich wie eine Fliege.

Besonders dekorativ und eigentlich kaum zu sehen waren die auf Stramin gestickten Hosenträger. Auch hier gab es ganz verschiedene Muster. Um den Hals gelegt wurde die silberne Uhrenkette, an deren Ende neben der Taschenuhr oft noch ein Patrona-Bavariae-Taler getragen wurde. Außer den silbernen Uhrketten gab es auch geflochtene Haarketten. Das Geld bewahrte der Bauer in einer gehäkelten Perlen-Geldkatze auf, die man in den Hosenbund steckte. Einen Geldbeutel, wie man ihn heute kennt, gab es nicht. Die Hosen hatten auch noch keine Gesäßtaschen.

Die Schuhe waren schwarze Lederschuhe, die mit einer Silber- oder Messingschnalle versehen waren. Daneben gab es auch wie bei der Frauentracht die mit Wollfäden bestickten Straminschuhe. Im Gegensatz zu den Frauenschuhen waren lediglich die Absätze etwas flacher.

Nach der Form mit der gelben Kniebundhose kamen die moderneren schwarzen aber langen Tuchhosen auf. Auf Altern Darstellungen von Hochzeitszügen sieht man oft, dass Bräutigam und Trauzeugen modern mit den langen Hosen gekleidet waren, während die älteren Verwandten die gelben Kniebundhosen trugen.

In den nächsten Ausgaben berichten wir Ihnen über die weitere Trachtenentwicklung. Die Männertrachten wurden zu Gunsten der städtischen Mode aufgegeben und die Frauentrachten graben sich zu einer ganz neuen Modeform weiterentwickelt.

Bildunterschriften

Haupt-Bild des Artikels „Brautpaar“ – Foto Christina Czybik: Zur Hochzeit trug der Bräutigam den Langen Mutzen und ein meist grünes Hochzeitsband, das auf der linken Schulter befestigt war. Auch ein Rosmarinzweig wurde vom Brautpaar gehalten (die Bedeutung ist mir aber unbekannt).

Bild „alte Lederhose“- Foto Oliver Brust: Eine der sehr seltenen alten Lederhosen zur Schweinfurter Gautracht. Auffällig ist der breite Hosenlatz, der nur durch die Verzierung einen schmalen Latz andeutet.

„Hosenträger“ – Foto Oliver Brust – Die Hosenträger wurden unter der Weste getragen und waren kaum zu sehen.

Seidene Männerweste (2) – Foto Oliver Brust. Historisches Beispiel für die Farbenvielfalt der fränkischen Trachtenwesten.

Bestickte Wollweste Details – Foto Oliver Brust: Selbst die Wollwesten waren meist aufwändig bestickt.

Geldkatze – Foto Oliver Brust: Geldkatze nannte man einen gehäkelten Geldbeutel, in den Perlen eingearbeitet waren.

Taschenuhren Foto Oliver Brust: Zur Tracht gab es noch keine Armbanduhren. Die Uhrketten der Taschenuhren waren echte Kunstwerke.

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